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Anspruchsvolle Oldies auf die ironische Art

Bühl – Eine Reise zu den Wurzeln des englischen Regenwetters unternahm das Gitarrenduo „Norfolk & Goode“ am Freitagabend im Schütte-Keller. Mit einem unterhaltsamen Repertoire entführten die beiden Vollblutmusiker ihre Zuschauer für drei Stunden in die Welt der englischen Singer-Songwriter-Szene und bewiesen mit einem energie­geladenen Programm, dass melan­cholische Song­texte und satirischer Wortwitz kein Wider­spruch sein müssen.

Ein grauer Industrieort in Mittelengland, der Himmel verdunkelt vom Ruß der Fabrik­schlote – für den britischen Musiker Graham Norfolk und seinen deutschen Bühnenpartner Joe Goode gab er das ideale Titelbild zu ihrem Album ab. Mit viel Selbstironie erzählen beide in ihren Songs vom Leben im England der 50er und 60er Jahre. Ohne gängige Vor­ur­teile zu bedienen verwebt Norfolk seine Erinnerungen an die Alltagstristesse seiner Heimatstadt mit einer gehörigen Portion englischen Humors: „Wenn Du die Berge sehen kannst, wird es bald regnen. Wenn Du sie nicht sehen kannst, regnet es schon“, erinnert sich Graham Norfolk mit einem Augenzwinkern an seine Jugendzeit in der Fabrikstadt Preston. Seine ersten amerikanischen Schallplatten brachten ihn mit dem legendären Chicago-Sound in Kontakt und bildeten bald darauf den Grundstein zu einer musikalischen Obsession, die Norfolk bis heute nicht losgelassen hat. Als „erster DJ außerhalb Londons“ spielte er auf einem altersschwachen Grammophon berühmte Scheiben von Ray Charles und Jimmy Reed. Mit dem Rock´n´Roll hielten E-Gitarre und Schlagzeug Einzug in die Musik und inspirierten auch Norfolk. Als bald darauf Bands wie Cream und Fleetwood Mac frischen Wind in die englische Musik­szene brachten, legte man großen Wert auf Improvisation.

 Im Jahr 1970 landete er „durch einen Zufall“ in Bayern, wo er seitdem lebt. Über die Musiker eines Rockquintetts lernte er Joe Goode kennen. Beide spielten lange Zeit zusammen in Pubs und Gaststätten, bis sie es leid waren, nur als Hintergrund-Berieselung benutzt zu werden. Seit 1994 geben sie unter dem Namen „Norfolk & Goode“ Konzerte. Wir spielen gern auf Klein­kunstbühnen, wo die Musik im Vordergrund steht. „Hier können wir viel eher den Kontakt zum Publikum finden, als in Kneipen, wo niemand auf unsere Songs achtet“, erklärt Joe Goode. Die Geschichte des ungleichen Duos spiegelt sich in ihren Songs wieder. Balladen über die Perspektivlosigkeit in Preston werden mit humorvollen Schilderungen des Alltags gewürzt. Es gibt Lieder über verkannte Liebe, Einsamkeit und geteilten Schmerz. Und dennoch ver­fallen „Norfolk & Goode“ nicht in romantische Verklärung oder trauern alten Zeiten nach. Ihre gefühlvollen Songs von Legenden wie den Animals oder der Spencer Davis Group klingen authentisch und ehrlich. Joe Goode glänzt mit rasanten Soli und Effekten und bildet die perfekte Ergänzung zu Norfolks kraftvoller Gesangsstimme. „Norfolk & Goode“ haben in den letzten Jahren Dutzende eigene Lieder geschrieben und zwei CDs herausgebracht, auf denen sich auch ihre satirischen Erzählungen wieder finden. Frenetischer Applaus und drei lange Zugaben zeugten von einer gelungenen Verbindung von Oldies und britischem Humor.

Johannes Akkach, Badisches Tagblatt