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Kleiner Mann ganz groß - Norfolk & Goode im Schalander der Brauerei Glaab

Seligenstadt: Es gibt kaum ein Jazz-Konzert des Kunstforums Seligenstadt im Schalander der Privat-Brauerei Glaab, bei dem der kleine Engländer, der seit 30 Jahren in Groß-Welzheim lebt, nicht als Zuhörer dabei ist, nun stand er bereits zum dritten Mal selbst mit seinem Partner im Rampenlicht des Gewölbekellers. Selten wurden die Gäste so gut unterhalten, wie am Donnerstag, den 13. November.
Die Rede ist von Graham "Norfolk" Lewis und seinem Partner Jochen Günther, genannt "Joe Goode" aus Guntersblum, die dem Publikum die Gitarren-Töne beibrachten. So ganz nebenbei erfuhr das Auditorium in unnachahmlich englisch-hessischer Diktion dass man einen schönen Spätsommertag in Preston daran erkennt, dass der Regen warm ist und die Vögel morgens um fünf anfangen zu husten. Im Falle einer anstehenden Geburt sollte man anstelle des Ambulanzwagens lieber den Pizzadienst bestellen, der ist nämlich bereits in 20 Minuten da und die wenigen englischen Winzer lassen bei ihrer Spätlese die Trauben mindestens drei Jahre lang hängen. Wenn man als Engländer in Deutschland überleben will, ist es ratsam, mit seinem Auto auf der falschen Straßenseite zu fahren und mit einem Brennholzverleih kann man sogar erfolgreich eine Familie ernähren.
In der Hauptsache wurde aber Musik gemacht und die beiden ausgezeichneten Gitarristen und Sänger zeigten eine Variabilität, die in dieser Breite selten anzutreffen ist. Die zarten Zupfmuster auf der Gibson von Mark Knopfler wurden ebenso gekonnt interpretiert wie das sonore Organ des "Mr. Dire Strait". Die knallige Fender Stratocaster von Robert Cray wechselte mit den rockigen Soli von "Slowhand" Eric Clapton und "Woodstock-Feeling" kam auf, als die Psychedelic-Ballade von Jimmy Hendrix mit "The wind cries Mary" durch den Schalander wehte. Die Chicago-Szene des Willie Dixon wurde vorgestellt, New Orleans grüßte authentisch bei "Stealin Stealin" von Gus Cannon und auch die Anfänge der Rolling Stones wurden mit "The Last Time" nicht vergessen.
Äußerst eindrucksvoll und routiniert kam Goodes Einlage mit Slide-Guitar und Flageolett-Finale bei "More Storms Coming" von Mark Selby am Ende des ersten Abschnitts. Somit konnte beim Zuhörer häufig das Gefühl entstehen, auf vier oder fünf verschiedenen Veranstaltungen gleichzeitig anwesend zu sein, derart überzeugend wurde man auf dieser Konzertreise mitgenommen.
"Norfolk und Goode" können aber nicht nur die alten Meister eindrucksvoll nachspielen, sie verwirklichen auch eigene Ideen. Ihr Song "Low Budget" kann sich durchaus mit den Cover-Versionen der musikalischen Vorbilder messen.
Als nach dreieinhalb Stunden heftigst strapazierter Lachmuskeln der "Summertime Blues", ein Rock´n´Roll von Eddie Cochran, den Zugabenteil eröffnete, liefen die Tränen! So brüllend komisch und staubtrocken kann nur britischer Humor sein.

Rainer Bauer, Radio Regenbogen & Pressesprecher Kunstforum Seligenstadt